Psychische Belastungen bei Jugendlichen nehmen zu – „oft leise, aber mit grosser Wirkung“, wie es in einer Mitteilung der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau heisst. Spätestens seit der Pandemie sei sichtbar geworden, wie stark Jugendliche psychisch unter Druck stehen; zugleich seien jugendpsychiatrische Dienste vielerorts überlastet, Wartezeiten von mehreren Monaten keine Seltenheit. Als Treiber nennt die Landeskirche unter anderem den zunehmenden Einfluss von Social Media, steigenden Leistungsdruck und soziale Unsicherheiten. Auch Unzufriedenheit mit dem eigenen Koerper, Mobbing und das dauernde Vergleichen in sozialen Netzwerken wuerden viele junge Menschen belasten – eine Realitaet, die sich, so die Mitteilung, auch im Alltag der kirchlichen Jugendarbeit zeige.
Vor diesem Hintergrund setzt die Evangelische Landeskirche Thurgau auf Qualifizierung: Ein „Erste-Hilfe-Kurs zur psychischen Gesundheit“ ist laut Mitteilung ausgebucht. Thomas Alder, Leiter der Fachstelle Jugendarbeit, ordnet die Rolle der Jugendarbeit dabei als niederschwellig und beziehungsorientiert ein – genau diese Naehe mache sie zu einem wichtigen Faktor, zugleich aber auch zu einer Aufgabe mit Verantwortung. Entscheidend sei, dass Jugendarbeitende keine Therapeutinnen und Therapeuten sind und es auch nicht sein muessen.
Der ensa-Kurs „Erste Hilfe fuer psychische Gesundheit Fokus Jugendliche“ setze genau hier an, heisst es in der Thurgauer Mitteilung. Vermittelt werden konkrete Werkzeuge: Warnsignale erkennen, wertfrei ansprechen, Sicherheit geben und Betroffene ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Besonders betont wird das Wissen um die eigenen Grenzen: Je hoeher der Leidensdruck, je laenger die Dauer und je groesser die Gefahr, desto klarer brauche es fachliche Unterstuetzung – die Jugendarbeit koenne dabei Bruecken bauen. Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) hat zum ensa-Ansatz publiziert und verortet das Programm als Schweizer Version von „Mental Health First Aid“, lanciert in der Schweiz durch Pro Mente Sana mit Unterstuetzung der Beisheim Stiftung.
Fuer die Thurgauer Kirche bleibt daneben ein weiterer Punkt zentral: soziale Unterstuetzung. Tragende Beziehungen senkten das Risiko psychischer Erkrankungen, so die Mitteilung. Hier liege eine besondere Staerke kirchlicher Jugendarbeit – Gemeinschaft, Verlaesslichkeit und ein offenes Ohr. Seelsorge geschehe dabei oft ganz selbstverstaendlich, etwa im Gespraech auf einer Wanderung, am Lagerfeuer oder beim gemeinsamen Essen.
