Zum Welttag der humanitären Hilfe hat die UN-Organisation UN Women eine eindringliche Erklärung veröffentlicht. Darin würdigt sie die Arbeit der humanitären Helferinnen und Helfer weltweit und erinnert an jene, die, wie es heisst, «allzu oft ihr Leben verlieren, um anderen zu helfen». Besonders hoben die Autorinnen und Autoren die Rolle von Frauen in lokalen Einsatzteams hervor, die an den Frontlinien einer «doppelten Gefahr» ausgesetzt seien: Sie würden sowohl für ihre Arbeit als auch für ihr Frausein ins Visier genommen. Die internationale Organisation beschreibt die aktuelle Lage als ein System, das «unter eskalierender Gewalt, schwindenden Ressourcen und gebrochenen Schutzversprechen zusammenbricht», wodurch sich Gewalt gegen Zivilpersonen und humanitäres Personal verschärfe.
UN Women spricht von einem verheerenden Jahr mit so vielen getöteten Helferinnen und Helfern wie nie zuvor. «Diese Todesfälle sind keine Unfälle», heisst es in der Erklärung. Stattdessen seien systemische Versäumnisse verantwortlich: Straflosigkeit bei Verstössen gegen das Kriegsvölkerrecht, schwindender Respekt vor humanitären Grundsätzen und zunehmende Missachtung des humanitären Völkerrechts. Zugleich seien die Mittel so knapp wie selten. Per 12. August seien «erst rund 18 Prozent der im Global Humanitarian Overview veranschlagten Mittel bereitgestellt». Besonders hart treffe es Frauenorganisationen: Eine UN-Women-Erhebung in 44 Krisensituationen habe ergeben, dass 72 Prozent Personal abbauen mussten und mehr als die Hälfte Programme aussetzte. Laut der Mitteilung führt dieser Kapazitätsverlust dazu, dass essenzielle Dienste wegbrechen, Gewalt gegen Frauen zunimmt, unbezahlte Sorgearbeit weiter anwächst und soziale Schutzmechanismen entfallen.
Die UN-Organisation skizziert drei zentrale Forderungen an Regierungen und internationale Akteure. Erstens sollen humanitäre Helferinnen und Helfer, insbesondere Frauen an vorderster Front, sowie die Zivilbevölkerung konsequent geschützt werden. Zweitens brauche es eine verlässliche Finanzierung des «Lebensnerv»-Systems, die Mittel müssten gezielt Frauenorganisationen und lokalen Partnern zufliessen, die oft als Erste reagieren und als Letzte vor Ort bleiben. Drittens sei die gleichberechtigte Beteiligung und Führung von Frauen in allen humanitären Entscheidungsprozessen sicherzustellen, da ihre Perspektiven Wirksamkeit und Inklusivität der Hilfe erhöhten. Den Appell schliesst UN Women mit den Worten: «Handelt jetzt. Die Welt schaut zu. #ActForHumanity.»
UN Women macht deutlich, dass eine Normalisierung der Zustände nicht hinnehmbar sei. Vielmehr brauche es politische Führung, Rechtsstaatlichkeit und verlässliche Finanzierung, um humanitäre Prinzipien durchzusetzen und die Handlungsfähigkeit lokaler Akteurinnen und Akteure zu sichern. Die Erklärung zum Welttag der humanitären Hilfe versteht sich als Signal an die internationale Staatengemeinschaft, bestehende Zusagen einzuhalten und die humanitäre Architektur gegen Erosion zu schützen – mit besonderem Augenmerk auf die Rechte von Frauen und Mädchen in Konflikt- und Krisengebieten.
