Die Frauenorganisation der Vereinten Nationen (UN Women) warnt vor dem wachsenden Einfluss der sogenannten „Manosphere“ auf junge Menschen. In zwei aktuellen Hintergrundpapieren beschreibt die Organisation die Manosphere als ein Netzwerk digitaler Gemeinschaften und Influencer, die vorgeben, über Themen wie Männlichkeit, Beziehungen oder persönliche Entwicklung zu sprechen, dabei jedoch häufig frauenfeindliche Einstellungen, stereotype Geschlechterbilder und antidemokratische Narrative verbreiten.
Nach Angaben von UN Women gewinnen solche Inhalte insbesondere bei jungen Männern an Reichweite. Die Organisation verweist auf Untersuchungen, wonach zwei Drittel der jungen Männer regelmässig mit sogenannten Männlichkeits-Influencern in Kontakt kommen. Gleichzeitig würden Forschende zunehmend Zusammenhänge zwischen frauenfeindlichen Online-Inhalten, Radikalisierungstendenzen und extremistischen Ideologien beobachten.
Die Manosphere verbreite laut den Erläuterungen von UN Women die Vorstellung, Gleichstellungspolitik und Feminismus hätten Männern Rechte und gesellschaftliche Stellung genommen. Statt individuelle Herausforderungen zu reflektieren, würden viele Akteure Frauen oder gesellschaftliche Veränderungen für persönliche Frustrationen verantwortlich machen. Dabei entstünden digitale Räume, in denen Dominanz, materielle Erfolge und Kontrolle über andere Menschen als Massstäbe männlichen Erfolgs dargestellt würden.
Besonders besorgt zeigt sich die Organisation über die Rolle sozialer Medien. Junge Männer würden häufig über scheinbar harmlose Themen wie Fitness, Partnerschaft oder Selbstoptimierung mit entsprechenden Inhalten in Kontakt kommen. Anschliessend würden Algorithmen zunehmend radikalere Beiträge empfehlen. Ein im zweiten Papier beschriebenes Szenario zeigt, wie Jugendliche schrittweise von Tipps zur Selbstverbesserung zu Inhalten gelangen können, die Frauen abwerten und gesellschaftliche Konflikte verschärfen.
UN Women betont zugleich, dass viele Jugendliche in diesen digitalen Räumen nach Orientierung, Zugehörigkeit und Anerkennung suchen. Die Attraktivität der Manosphere erkläre sich deshalb nicht allein durch ideologische Botschaften, sondern auch durch das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Gerade Jungen, die sich einsam oder unverstanden fühlten, seien anfällig für entsprechende Angebote.
Die Folgen reichen nach Einschätzung der Organisation über das Internet hinaus. Frauenfeindliche Inhalte könnten Einstellungen und Verhaltensweisen im Alltag beeinflussen und sich in Schulen, Beziehungen, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum niederschlagen. UN Women verweist auf Untersuchungen, wonach junge Männer mit rigiden Vorstellungen von Männlichkeit deutlich häufiger zu sexueller Belästigung neigten. Zudem würden Mädchen und junge Frauen häufiger Unsicherheit, Abwertung und digitale Belästigung erleben.
In einem eigens an Eltern und Betreuungspersonen gerichteten Leitfaden empfiehlt die Organisation deshalb einen offenen Umgang mit dem Thema. Statt Kontrolle oder Verbote in den Vordergrund zu stellen, sollten Erwachsene Interesse zeigen, Fragen stellen und Jugendliche dabei unterstützen, Online-Inhalte kritisch zu hinterfragen. Ebenso wichtig seien Gespräche über Gefühle, Beziehungen, Selbstwert und gesellschaftliche Rollenbilder. Positive männliche Vorbilder und unterstützende Gemeinschaften könnten dabei helfen, alternative Orientierungspunkte zu schaffen.
UN Women unterstreicht, dass Geschlechtergerechtigkeit Männern nicht schade, sondern allen Menschen zugutekomme. Ziel müsse es sein, digitale Räume zu schaffen, in denen Respekt, Empathie und Gleichberechtigung gestärkt werden.
