UNICEF mahnt: Millionen Kinder bleiben auf der Flucht ohne ausreichenden Schutz

30. Juni 2026

Zum Weltflüchtlingstag macht UNICEF Schweiz und Liechtenstein mit einer Installation in Genf auf das Schicksal von 45,3 Millionen vertriebenen Kindern aufmerksam.

Mit einer Installation aus 45 Kinderfiguren vor dem Palais des Nations in Genf hat UNICEF Schweiz und Liechtenstein zum Weltflüchtlingstag auf die Situation von Kindern auf der Flucht aufmerksam gemacht. Die Figuren stehen symbolisch für die weltweit 45,3 Millionen Kinder, die Ende 2025 von Flucht und Vertreibung betroffen waren. Gleichzeitig warnt die Organisation vor drastischen Kürzungen internationaler Hilfsgelder, welche die Versorgung und den Schutz besonders gefährdeter Kinder zunehmend erschweren.

Zwar sei die Zahl der gewaltsam vertriebenen Menschen 2025 erstmals seit zehn Jahren leicht auf 117,8 Millionen gesunken, doch dies sei vor allem auf hohe Rückkehrzahlen zurückzuführen. Viele Familien seien jedoch in Regionen zurückgekehrt, die weiterhin von Konflikten, Unsicherheit und zerstörter Infrastruktur geprägt seien. UNICEF Schweiz und Liechtenstein warnt deshalb davor, die rückläufigen Zahlen als Entspannung der humanitären Lage zu interpretieren. Kinder gehörten weiterhin zu den verletzlichsten Betroffenen. Sie seien einem erhöhten Risiko von Gewalt, Ausbeutung, Menschenhandel und Kinderarbeit ausgesetzt und verlören häufig den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Wer bereits im frühen Kindesalter fliehen müsse, verbringe oftmals die gesamte Kindheit in der Vertreibung, so die Mitteilung.

Die Installation im internationalen Genf solle das Schicksal jener Kinder sichtbar machen, die Schutz, Bildung und Zukunftsperspektiven verloren hätten. Zugleich verweist die Mitteilung auf eine wissenschaftliche Studie der Universität Lausanne, wonach der Wegfall internationaler Hilfsgelder Konflikte verschärfen könne. Demnach stieg in besonders stark betroffenen afrikanischen Regionen nach dem Ausbleiben dieser Gelder die Zahl der Konfliktereignisse um 10,6 Prozent und jene der Todesopfer um 9,3 Prozent. UNICEF verweist zudem auf den eigenen Jahresbericht, wonach Kürzungen bei der humanitären Finanzierung bereits heute lebenswichtige Hilfe für Millionen Kinder gefährdeten.

«Hinter jeder Zahl steht ein Kind mit Hoffnungen, Träumen und Rechten. Ob auf der Flucht, in der Vertreibung oder nach der Ankunft in einem sicheren Land: Kinder brauchen Schutz, Bildung und Perspektiven. Dass Millionen Kinder weiterhin unter solchen Bedingungen aufwachsen müssen, darf niemals zur Normalität werden», wird Bettina Junker, Geschäftsleiterin von UNICEF Schweiz und Liechtenstein, in der Mitteilung zitiert.

Zur Einordnung veröffentlicht die Organisation zudem «45 Fakten zu Flucht und Vertreibung». Daraus geht unter anderem hervor, dass Kinder Ende 2025 rund 38 Prozent aller weltweit gewaltsam Vertriebenen ausmachten, obwohl ihr Anteil an der Weltbevölkerung lediglich 29 Prozent beträgt. Mehr als jedes fünfte Kind lebte 2025 in einem Umkreis von 50 Kilometern zu einem bewaffneten Konflikt. Im Sudan wurden seit Beginn des Krieges im April 2023 mehr als 15 Millionen Menschen vertrieben. In der Schweiz wiederum entfielen 2025 rund 40 Prozent aller Asylgesuche auf Kinder und Jugendliche; etwa jedes zehnte Gesuch wurde von unbegleiteten Minderjährigen gestellt. UNICEF Schweiz und Liechtenstein fordert deshalb kindgerechte Mindeststandards in Asylunterkünften sowie Schutz und Perspektiven für Kinder vor, während und nach der Flucht.