UNICEF-Studie: Permakrisen belasten die psychische Gesundheit der Generation Z in der Schweiz

6. Nov. 2025

Jede zweite junge Person fühlt sich von Krisenmeldungen überfordert – UNICEF Schweiz fordert entstigmatisierende Aufklärung und partizipative Angebote.

Eine neue Untersuchung der von UNICEF geführten Global Coalition for Youth Mental Health zeigt eine hohe psychische Belastung junger Menschen in der Schweiz durch anhaltende globale Krisen. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 5’600 Angehörigen der Generation Z in sieben Ländern, darunter 400 Jugendliche und junge Erwachsene in der Schweiz. Demnach geben 52 Prozent an, sich von Nachrichten über Krisen in der eigenen Gemeinschaft, im Land und weltweit überfordert zu fühlen. Das verdeutlicht, so die Mitteilung von UNICEF Schweiz und Liechtenstein, wie stark die stete Konfrontation mit Klimawandel, Konflikten und wirtschaftlicher Unsicherheit auf das Wohlbefinden junger Menschen wirkt. Parallel bleibt das Stigma rund um psychische Gesundheit ausgeprägt: 42 Prozent der Befragten nehmen in Schulen negative Ansichten oder Vorurteile gegenüber Menschen wahr, die über psychische Belastungen sprechen, am Arbeitsplatz sind es 44 Prozent. Nur 43 Prozent wissen überhaupt, wo sie in der Schweiz Unterstützung und Hilfsangebote finden können, und lediglich 42 Prozent halten die Massnahmen, die sie selbst zur Bewältigung von Stress und Angst ergreifen, für wirksam.

Die Studie attestiert Schulen und Unternehmen in der Schweiz eine Schlüsselrolle: 70 Prozent der Befragten erwarten von Schulen eine führende Unterstützung, 54 Prozent sehen auch die Unternehmen in der Pflicht. Zugleich zeigt sich ein starkes Verantwortungsbewusstsein innerhalb der Generation Z selbst: 69 Prozent finden, dass junge Menschen aktiv dazu beitragen sollten, mit den Folgen von Stress, Angst oder Überforderung infolge von Krisennachrichten umzugehen; rund ein Drittel von ihnen spricht sich sogar für eine führende Rolle aus. Vor diesem Hintergrund fordert UNICEF Schweiz und Liechtenstein einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz, der Schulen, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie die Politik einbezieht. «Psychische Gesundheit muss entstigmatisiert werden», sagt Nicole Hinder, Bereichsleiterin Child Rights Advocacy bei UNICEF Schweiz und Liechtenstein. «Zentral ist, dass junge Menschen mitgestalten wollen und wir sie konsequent einbinden müssen.» Angebote entfalten demnach dort die grösste Wirkung, wo sie gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt werden, die Hürden beim Hilfesuchen sinken und Unterstützung passgenau ankommt.

UNICEF lädt darüber hinaus Schweizer Unternehmen ein, der Global Coalition for Youth Mental Health beizutreten, um aus den Studienergebnissen konkrete Massnahmen abzuleiten. Ziel ist es gemäss Mitteilung, Stigmatisierung abzubauen, den Zugang zu Hilfsangeboten zu verbessern und die Aufklärungsarbeit zu stärken. Damit sollen junge Menschen in der Schweiz die nötigen Ressourcen und Chancen erhalten, ihre psychische Gesundheit zu stabilisieren und widerstandsfähiger mit den Herausforderungen der Gegenwart umzugehen.