Verborgen wirkende Pionierinnen: Eurodiaconia erinnert zum Weltfrauentag an Frauen der diakonischen Geschichte

11. März 2026

Zum Internationalen Frauentag würdigt Eurodiaconia prägende Frauen der Diakoniegeschichte, deren Einsatz für Pflege, soziale Arbeit und gesellschaftliche Verantwortung bis heute nachwirkt.

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März erinnert Eurodiaconia, der gesamteuropäische Diakonie-Dachverband, an Frauen, die mit ihrem Glauben und sozialem Engagement die diakonische Arbeit in Europa geprägt haben. Die Organisation spricht dabei von diakonischen „hidden figures“, also Persönlichkeiten, deren Einfluss gross war, deren Geschichte jedoch oft weniger bekannt ist.

Der Internationale Frauentag sei ein Anlass, um auf Fortschritte im Einsatz für Gleichberechtigung zu blicken und zugleich die Geschichte der Frauenbewegung in Erinnerung zu rufen. „Jedes Jahr am 8. März feiern wir den Internationalen Frauentag; wir erinnern an den Kampf der Frauen für Gleichberechtigung, Befreiung und die Frauenrechtsbewegung“, heisst es dazu in der Mitteilung. Gerade deshalb sei es wichtig, auch auf Frauen zurückzublicken, deren Engagement die Gegenwart möglich gemacht habe.

Eurodiaconia würdigt in diesem Zusammenhang mehrere historische Persönlichkeiten aus verschiedenen europäischen Ländern. Dazu gehört die deutsche Diakonisse Friederike Münster Fliedner (1800–1842), die zu den Mitbegründerinnen des Kaiserswerther Diakonisseninstituts im Jahr 1836 zählt und selbst zu den ersten Diakonissen dort gehörte. Gemeinsam mit ihrem Mann entwickelte sie das Konzept der Diakonissen-Mutterhäuser weiter. Diese Einrichtungen verbreiteten nicht nur die Idee der Diakonissenarbeit in Deutschland, sondern bildeten auch Frauen als Krankenpflegerinnen aus. Diese Arbeit habe später den Weg für Pflegepionierinnen wie Florence Nightingale bereitet, so die Mitteilung.

Auch in anderen europäischen Ländern wirkten Frauen, die die diakonische Arbeit entscheidend voranbrachten. Die schwedische Pionierin Marie Cederschiöld reiste in den 1840er Jahren nach Deutschland, um am Kaiserswerther Diakonisseninstitut Pflege und soziale Arbeit zu studieren. 1851 half sie anschliessend, das erste Diakonisseninstitut Schwedens in Stockholm zu gründen, die Ersta Diakonissanstalt. Dort setzte sie sich für professionelle Pflegeausbildung ein und förderte die Rolle von Frauen in leitenden Aufgaben im Sozial- und Gesundheitswesen.

In Dänemark gehörte Louise Conring zu den zentralen Initiatorinnen der diakonischen Bewegung. Sie war an der Gründung der Dänischen Diakonissenstiftung in Kopenhagen im Jahr 1863 beteiligt, die sich zu einem wichtigen Zentrum für Pflegeausbildung, soziale Arbeit und kirchlichen Dienst entwickelte. Neben der Ausbildung von Frauen als Diakonissen förderte Conring auch deren aktive Rolle in kirchlicher Sozialarbeit.

Als weitere Beispiele nennt Eurodiaconia die slowakischen Schwestern Kristína und Mária Royová. Die beiden engagierten sich als christliche Sozialreformerinnen, Schriftstellerinnen und Wohltäterinnen. Im Rahmen der Bewegung „Blaues Kreuz“ in Stará Turá initiierten sie mehrere Einrichtungen für Menschen in Not, darunter ein Heim für vernachlässigte und verwaiste Kinder, diakonische Zentren mit medizinischer und seelsorgerlicher Betreuung sowie ein Altersheim.

Auch die französische Protestantin Antoinette Butte wird in der Mitteilung hervorgehoben. Sie engagierte sich im 20. Jahrhundert für protestantische Sozialarbeit und setzte sich für die Beteiligung von Frauen in kirchlichen und gesellschaftlichen Aufgaben ein. Während der wirtschaftlichen Krisen der 1930er und 1940er Jahre mobilisierte sie protestantische Netzwerke für soziale Unterstützung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte sie am Wiederaufbau protestantischer Sozialinstitutionen mit und gründete 1950 eine Diakonissengemeinschaft im südfranzösischen Saint-Étienne-du-Grès.

Mit dem Blick auf diese Frauen möchte Eurodiaconia die Bedeutung ihres Engagements sichtbar machen. „Heute möchten wir bei Eurodiaconia die Arbeit hervorheben und das Leben unserer diakonischen ‚hidden figures‘ würdigen – jener Frauen, die ihren christlichen Glauben mit sozialem Handeln in ganz Europa verbunden haben“, so die Mitteilung. Ihr Wirken habe entscheidend dazu beigetragen, Pflege, soziale Verantwortung und diakonisches Handeln in vielen europäischen Ländern zu prägen.