Walliser Studie: Inklusive Schule bewährt sich

26. Aug. 2026

Eine Studie zur obligatorischen Schule im Wallis kommt zu einem positiven Schluss: Die Integration von Kindern mit Behinderungen in Regelklassen funktioniert laut Bericht pädagogisch und wirtschaftlich gut. Damit dies langfristig gelingt, braucht es jedoch genügend Mittel, flexible Unterstützung und gut vorbereitete Fachpersonen.

Das Wallis zählt laut einer neuen Studie zu den Kantonen mit einem besonders hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen, die eine Regelklasse besuchen. Das integrative Schulmodell habe sich bewährt, berichtet Inclusion Handicap unter Berufung auf eine Untersuchung des Schweizer Zentrums für Heil- und Sonderpädagogik. Auftraggeber des Berichts war das Walliser Departement für Volkswirtschaft und Bildung.

Die Untersuchung stützt sich auf historische und statistische Daten sowie auf rund 50 Interviews mit Personen aus der obligatorischen Schule. Sie beurteilt das Modell als pädagogisch wirksam und wirtschaftlich effizient. Eine grosse Mehrheit der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen werde im Wallis in die regulären Schulstrukturen einbezogen.

Inklusive Schule bedeutet, dass Kinder mit und ohne Behinderungen möglichst gemeinsam die Schule am Wohnort besuchen und bei Bedarf passende Unterstützung erhalten. Im Wallis hat dieses Modell laut Bericht eine lange Tradition. Besonders bedeutsam sei der Wunsch vieler Familien, ihre Kinder in den Dorfschulen zu unterrichten, statt sie in Sonderschulen zu schicken.

Die Befragten sehen den Nutzen nicht allein für Kinder mit Behinderungen. Gemeinsames Lernen könne auch die soziale Teilhabe stärken und allen Schülerinnen und Schülern helfen, mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenslagen umzugehen. Der Bericht warnt deshalb davor, bei Schwierigkeiten vorschnell auf getrennte Schulformen zu setzen: Regelklassen könnten sonst weniger Erfahrung darin entwickeln, auf Verschiedenheit einzugehen.

Die Studie beschreibt aber auch Grenzen und Entwicklungsbedarf. Nötig seien eine regelmässige Überprüfung und ausreichende Finanzierung der Unterstützung, ein flexiblerer Einsatz vorhandener Ressourcen sowie stärkere Kompetenzen bei den beteiligten Fachpersonen. Damit sind insbesondere Lehrpersonen und weitere Mitarbeitende der Schule gemeint, die Kinder im Unterricht und Alltag begleiten.

Die Frage nach den Rahmenbedingungen beschäftigt die Schulen in der ganzen Schweiz. Inclusion Handicap verweist auf eine kürzlich veröffentlichte Umfrage unter Lehrpersonen: Viele stünden weiterhin hinter der inklusiven Pädagogik, fühlten sich im Schulalltag jedoch zu wenig unterstützt. Die Walliser Ergebnisse zeigen damit vor allem: Gemeinsame Bildung kann funktionieren, wenn sie von Schulen, Familien, Behörden und dem Gemeinwesen getragen wird und die notwendige Unterstützung vorhanden ist.

Für die diakonische Praxis ist dies relevant, weil schulische Teilhabe früh darüber mitentscheidet, ob Kinder mit Behinderungen soziale Beziehungen im Wohnumfeld aufbauen und gleichberechtigt am Alltag teilhaben können. Die Studie unterstreicht, dass Inklusion nicht nur ein Auftrag an einzelne Lehrpersonen ist, sondern verlässliche Bedingungen und Zusammenarbeit braucht.