Welt-Autismus-Tag: Diakonie Österreich fordert nationale Strategie gegen Versorgungslücken

10. Apr. 2026

Zum Welt-Autismus-Tag mahnt die Diakonie Österreich strukturelle Defizite an und fordert eine nationale Strategie für mehr Teilhabe.

Zum Welt-Autismus-Tag hat die Diakonie Österreich auf tiefgreifende Defizite im Umgang mit Menschen im Autismus-Spektrum hingewiesen und eine umfassende nationale Strategie eingefordert. Vorurteile und mangelndes Wissen führten zu erheblichen Einschränkungen in Diagnostik, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. „Vorurteile gegenüber Menschen im Autismus Spektrum halten sich hartnäckig. Sie führen zu groben Mängeln bei der Diagnostik und schränken Chancen und Lebensqualität von Autist:innen massiv ein“, heisst es gemäss Mitteilung.

Besonders kritisch seien die langen Wartezeiten auf Diagnosen und Therapien. Kinder müssten teilweise bis zu zwei Jahre auf einen Therapieplatz warten, auch Betreuungsangebote wie Kindergarten- oder Wohnplätze seien oft erst nach Monaten oder Jahren verfügbar. Diese Engpässe setzten sich später im Bildungsbereich und am Arbeitsmarkt fort. Dies müsse „ein Weckruf sein“, so die Diakonie Österreich.

Auch im Umgang mit Behörden sieht die Organisation gravierende Probleme. Der Betroffene Felix Zych schildert, dass selbst grundlegende Unterstützungsleistungen zunehmend an neue Nachweise geknüpft würden: „Das ist schon sehr befremdlich, wo doch jeder weiß, dass Autismus nicht weggeht“, so Zych. Eine Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich bestätige zudem Berichte über fachliche Mängel und respektlosen Umgang in Begutachtungsverfahren. Die Diakonie fordert daher eine unabhängige Begutachtungsstelle sowie bessere Schulungen für Gutachterinnen und Gutachter.

Im Alltag zeige sich, wie unterschiedlich die Bedürfnisse von Menschen im Autismus-Spektrum sind. Reizreduktion, klare Strukturen oder flexible Lernformate könnten entscheidend sein. Gleichzeitig fehle es häufig an Verständnis und passenden Rahmenbedingungen. Dies führe zu struktureller Ausgrenzung, insbesondere im Bildungssystem. So kritisiert die Diakonie, dass der Zugang zu Unterstützung stark von regionalen Regelungen abhänge und weiterführende Bildungsangebote oft fehlten.

Vor diesem Hintergrund fordert die Diakonie Österreich eine koordinierte nationale Strategie, die bestehende Einzelmassnahmen bündelt und klare Zuständigkeiten definiert. Ziel sei eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen. „Ziel müsse sein, dass autistische Menschen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilhaben können – sozial, wirtschaftlich, gesundheitlich“, so die Forderung.

Die Diakonie verweist dabei auf internationale Vorbilder, in denen entsprechende Strategien bereits umgesetzt werden. Gleichzeitig unterstreicht sie, dass Angebote sich konsequent an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen orientieren müssten, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.