Die deutsche Welthungerhilfe sieht sich durch ihren neuen „Impact Report 2.0“ in ihrem Ansatz bestätigt, Hunger und Armut durch langfristige, systemische und lokal verankerte Projekte zu bekämpfen. Der Bericht analysiert die Ergebnisse von 188 Projekten in 30 Ländern, die zwischen 2022 und 2024 abgeschlossen wurden, und wertet dafür 316 quantitative Datensätze sowie 79 qualitative Analysen aus. Insgesamt habe die Organisation in diesem Zeitraum rund 32 Millionen Menschen in 37 Ländern erreicht, heisst es in der Mitteilung.
Im Zentrum des Berichts steht die Frage, welche Massnahmen dauerhaft Wirkung entfalten und wie sich Veränderungen systematisch messen lassen. Die deutsche Welthungerhilfe betont dabei, dass nachhaltige Verbesserungen vor allem dort entstehen, wo lokale Strukturen gestärkt und verschiedene Themenfelder miteinander verbunden werden. Dazu gehörten etwa Ernährungssicherheit, Landwirtschaft, Wasser- und Sanitärversorgung, Bildung sowie wirtschaftliche Entwicklung.
„Gerade in Zeiten wachsender Zweifel an internationaler Zusammenarbeit brauchen wir belastbare Belege dafür, dass unsere Arbeit Wirkung zeigt“, erklärte Programmvorständin Bettina Iseli gemäss Mitteilung. Hunger ende nicht durch einzelne Massnahmen. Entscheidend seien „starke lokale Systeme, die auch Krisen standhalten“. Dort, wo Gemeinden eigene Lösungen entwickelten und Frauen stärker beteiligt würden, verändere sich „weit mehr als nur die Ernährungssituation“.
Der Bericht verweist auf konkrete Fortschritte in mehreren Bereichen. So habe sich die Zahl der Monate, in denen Haushalte ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt waren, durchschnittlich von 7,4 auf 9,1 Monate pro Jahr erhöht. Der Anteil der Haushalte mit ausreichender und vielfältiger Ernährung stieg weltweit von 19 auf 50 Prozent. Gleichzeitig habe sich der Anteil der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren mit einer ausreichenden Ernährungsvielfalt von 13 auf 40 Prozent erhöht.
Auch im Bereich Wasser- und Sanitärversorgung nennt der Bericht deutliche Verbesserungen. Der Anteil der Haushalte mit Zugang zu grundlegender Trinkwasserversorgung stieg von 25 auf 58 Prozent, der Zugang zu Sanitärversorgung von 31 auf 50 Prozent. Im Bereich wirtschaftliche Entwicklung berichteten 56 Prozent der unterstützten Haushalte von höheren Einkommen. Zudem schlossen laut Bericht 79 Prozent der Teilnehmenden Qualifizierungsprogramme erfolgreich ab.
Als Beispiel hebt die deutsche Welthungerhilfe das Programm „Nutrition Smart CommUNITY“ hervor, das in 829 Dorfgemeinschaften in Afrika und Asien umgesetzt werde. Der Ansatz verbinde Landwirtschaft, Ernährung, Gesundheit und Hygiene miteinander und setze stark auf lokale Eigenverantwortung. In den beteiligten Gemeinden hätten sich laut Bericht nicht nur Ernährung und Gesundheitsversorgung verbessert, sondern auch Schulbesuche, gemeinschaftliche Verantwortung und die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen.
Der Bericht verschweigt zugleich nicht die Grenzen der Entwicklungszusammenarbeit. Konflikte, wirtschaftliche Instabilität und Klimaschocks gefährdeten vielerorts die erzielten Fortschritte, heisst es. Besonders in fragilen Staaten blieben nachhaltige Verbesserungen schwierig. Die deutsche Welthungerhilfe sieht deshalb langfristige Partnerschaften und widerstandsfähige lokale Systeme als entscheidend an.
„Wir untersuchen nicht nur, ob Projekte wirken, sondern warum“, sagte Iseli weiter. Wirkung dürfe „nicht beim Ende eines Projektes aufhören, sondern muss in den Strukturen weiterleben, die den Wandel langfristig tragen: in Märkten, Gemeinden und Institutionen“. Dafür brauche es Zeit, verlässliche Partnerschaften und „den Mut, Entwicklung ganzheitlich zu denken“.
Der „Impact Report 2.0“ versteht sich zugleich als strategisches Instrument für die zukünftige Arbeit der Organisation. Die deutsche Welthungerhilfe kündigt darin an, Projekte künftig noch stärker auf langfristige Wirkung, lokale Resilienz und systemische Veränderungen auszurichten. Im Fazit des Berichts hält die Organisation fest, dass eine Welt ohne Hunger weiterhin möglich sei – vorausgesetzt, internationale Zusammenarbeit bleibe politisch und finanziell tragfähig.
