Weniger Suizide, mehr assistierte Suizide

4. Okt 2022

Die Gesamtzahl der Suizid hat 2020 mit 972 Fällen erstmals seit 1964 die Tausendergrenze unterschritten, so das Bundesamt für Statistik. Gleichzeitig ist die Zahl der assistierten Suizide gestiegen.

Im Jahr 2020 hat die Gesamtzahl der Suizide weiter abgenommen, so das Bundesamt für Statistik BFS in einer Medienmitteilung. Seit dem Höchststand in der Periode 1980-1985 gehen die Zahlen demnach kontinuierlich zurück und haben 2020 mit insgesamt 972 Fällen erstmals seit 1964 die Tausendergrenzen unterschritten.

Forschungsberichte zeigten, dass die Mehrheit der Bevölkerung im ersten Pandemiejahr nicht in ihrer psychischen Gesundheit tangiert gewesen sei, so die Mitteilung. Bei jungen Menschen hätten die Belastungen zugenommen, bei jungen Frauen auch Hospitalisierungen aufgrund mutmasslicher Suizidversuche. Erste Daten zeigten jedoch keinen Anstieg von Suiziden.

Diese Erkenntnisse seien nun durch die aktuelle Statistik bestätigt. 2020 hätten demnach schweizweit 696 Männer und 276 Frauen Suizid begangen, gleichviel Frauen und 46 Männer weniger als 2019. Über 70 Prozent der Suizide geschahen demnach bei Personen über 45 Jahren, 7 bis 8 Prozent hatten Männer und Frauen unter 25 Jahren betroffen. Eine Zunahme gebe es bei den jungen Frauen unter 25 mit 33 gegenüber 25 Fällen. Im Durchschnitt der Jahre 2010-2019 habe diese Zahl bei 18 Fällen pro Jahr gelegen.

Gegenüber der Periode 2015–2019 hätten die Suizidraten im Jahr 2020 in allen Regionen abgenommen. Im Vergleich zu 2010–2014 seien sie mit Ausnahme von Zürich ebenfalls zurückgegangen. Seien in der Periode 2010–2014 die Suizidraten in der Genferseeregion am höchsten gewesen, waren sie in der folgenden Periode und im Jahr 2020 in Zürich am höchsten. Das Tessin weise über das gesamte Jahrzehnt hinweg die geringsten Suizidraten auf.

Die Suizidzahlen zeigten in der ersten Hälfte der 1980er Jahre einen Höchststand mit etwa 1600 Fällen jährlich. Diese Zahl habe sich um 40 Prozent auf gegenwärtig unter 1000 Fälle reduziert. Die Suizidrate pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner sei dabei sogar von 24,9 auf 9,5 gesunken und damit um über 60 Prozent zurückgegangen.

Die assistierten Suizide hätten dagegen von 1196 im Jahr 2019 auf 1251 im Jahr 2020 zugenommen, also um 4,6 Prozent. Die grosse Mehrzahl der Sterbehilfefälle betreffe mit 88 Prozent Menschen ab 65 Jahren oder Menschen mit einer unheilbaren Krankheit, die in absehbarer Zeit zu einem natürlichen Tod geführt hätte.