Am Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung hat das Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Seit der Gründung im Jahr 2016 engagiert sich das Netzwerk für den Schutz und die Versorgung von Mädchen und Frauen, die von «Female Genital Mutilation/Cutting» (FGM/C) betroffen oder bedroht sind. Anlässlich des Jubiläums zieht das Netzwerk eine Bilanz des Erreichten und macht zugleich deutlich, wo weiterhin Handlungsbedarf besteht, insbesondere beim Ausbau und der langfristigen Sicherung regionaler Anlaufstellen, so die Mitteilung.
Weibliche Genitalbeschneidung ist in der Schweiz strafbar. Dennoch leben auch hierzulande Mädchen und Frauen, die von dieser Praxis betroffen sind oder Gefahr laufen, ihr ausgesetzt zu werden. Das Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen Personen Schutz und eine angemessene Versorgung zu gewährleisten. «In den vergangenen zehn Jahren ist es uns gelungen, ein nationales Kompetenzzentrum zu FGM/C aufzubauen», bilanziert Projektverantwortliche Denise Schwegler gemäss Mitteilung. Betroffene erhielten heute schneller Unterstützung, und Fachpersonen verfügten zunehmend über das nötige Wissen, um in diesem sensiblen Bereich angemessen zu handeln.
Eine zentrale Aufgabe des Netzwerks ist die Beratung von Fachpersonen, Betroffenen und deren Angehörigen. Seit 2016 wurden rund 1’170 Anfragen bearbeitet. Aktuell sei das Bedürfnis nach Beratung so hoch wie noch nie, heisst es in der Mitteilung. Fast täglich gingen Anfragen ein, besonders aus dem Asylbereich. Um Risiken frühzeitig zu erkennen und Betroffene angemessen zu unterstützen, setzt das Netzwerk stark auf Weiterbildungen. In den vergangenen zehn Jahren wurden 2’466 Fachpersonen aus Sozial-, Migrations-, Gesundheits- und Justizberufen geschult. Gleichzeitig zeigt die Bilanz, dass in vielen Bereichen weiterhin Fachwissen fehlt. Das Netzwerk will deshalb insbesondere Weiterbildungsangebote in Geburtshilfe, Gynäkologie, Pädiatrie und Pflege ausbauen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Präventionsarbeit in betroffenen Migrationsgemeinschaften. Das Netzwerk arbeitet dabei eng mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Diaspora zusammen. Während zu Beginn vor allem grössere Veranstaltungen durchgeführt wurden, finden Informations- und Diskussionsrunden heute vermehrt in kleineren Gruppen statt, um den Austausch über das intime Thema zu erleichtern. Insgesamt konnten so bisher fast 2’500 Frauen und Männer erreicht werden.
Als wichtige Errungenschaft nennt das Netzwerk zudem den Aufbau regionaler Anlaufstellen. In fast allen Kantonen bestehen heute spezialisierte Beratungsangebote. Diese seien entscheidend, damit Betroffene niederschwellig Unterstützung finden und der Schutz vor Mädchenbeschneidung in der ganzen Schweiz gestärkt werde, erklärt Projektverantwortliche Simone Giger gemäss Mitteilung. Für die kommenden Jahre sieht das Netzwerk die Herausforderung darin, diese Strukturen weiter auszubauen und langfristig zu sichern. Dafür seien insbesondere eine nachhaltige Finanzierung durch die Kantone und die fachliche Begleitung der bestehenden Stellen notwendig. Nur wenn Bund, Kantone, Fachstellen und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernähmen, könne weibliche Genitalbeschneidung wirksam verhindert und Betroffenen dauerhaft geholfen werden, so die Mitteilung.
Das Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz wurde 2016 im Auftrag des Bundes gegründet. Trägerinnen sind Caritas Schweiz, SEXUELLE GESUNDHEIT SCHWEIZ sowie das Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern; unterstützt wird das Netzwerk unter anderem vom Bundesamt für Gesundheit, vom Staatssekretariat für Migration und vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann.
