Zivilgesellschaft fordert «Mut zu echter Nachhaltigkeit»

10. Juli 2026

Mehr als 13'000 Menschen verlangen vom Bundesrat einen verbindlichen Aktionsplan zur Umsetzung der Agenda 2030 und eine stärkere soziale und ökologische Verantwortung.

Vier Jahre vor Ablauf der Agenda 2030 fordert die Schweizer Zivilgesellschaft vom Bundesrat deutlich grössere Anstrengungen bei der Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. Mehr als 13’000 Personen haben eine entsprechende Petition unterzeichnet. Anlass ist der vierte Schweizer Länderbericht, der am 13. Juli 2026 am High-Level Political Forum der Vereinten Nationen in New York vorgestellt wird.

Nach Einschätzung der Plattform Agenda 2030 zeigt der Bericht, dass die Schweiz bei zahlreichen Zielen nicht auf Kurs ist. Zwar seien in einzelnen Bereichen wie den erneuerbaren Energien leichte Fortschritte erkennbar. Gleichzeitig verschärften sich jedoch soziale Ungleichheiten und die Umweltkrise. Zu den problematischen Bereichen zählt die Plattform nachhaltigen Konsum, Klima- und Biodiversitätsschutz, Armutsreduktion, bezahlbaren Wohnraum, Diskriminierungsschutz und Entwicklungszusammenarbeit.

Die Plattform wirft dem Bundesrat vor, die politische Bedeutung der Agenda 2030 herabzustufen und notwendige Massnahmen nicht konsequent umzusetzen. «Die Schweiz hat das Potenzial, durch Investitionen in Nachhaltigkeit eine internationale Vorreiterrolle einzunehmen – als Garant für Sicherheit und Wohlstand. Stattdessen verwaltet der Bundesrat den Status quo und kapituliert vor den Herausforderungen», sagt Rianne Roshier, Direktorin der Plattform Agenda 2030.

Auch Andreas Lustenberger, Mitglied der Geschäftsleitung von Caritas Schweiz und Vertreter der Zivilgesellschaft in der Schweizer UNO-Delegation, betont die Bedeutung der Nachhaltigkeitsziele für das Land: «Die Umsetzung der Agenda 2030 ist kein Selbstzweck, sondern liegt im ureigenen Interesse der Schweizer Bevölkerung.»

Mit der Petition verlangt die Zivilgesellschaft einen glaubwürdigen Aktionsplan mit verbindlichen und konkreten Massnahmen. Dieser soll aufzeigen, wie die Schweiz die Ziele bis 2030 erreichen will. Zu den zentralen Forderungen gehören eine Erhöhung der Mittel für die internationale Zusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens, eine wirksame Strategie zur Armutsbekämpfung sowie der Abbau umweltschädlicher Subventionen.

Zudem fordert die Plattform ein stärkeres Engagement der Schweiz an der Klimakonferenz COP31 im November in der Türkei. Die Kreislaufwirtschaft müsse ausgebaut werden, während für Unternehmen und den Finanzplatz ambitionierte Umwelt- und Sozialstandards gelten sollten.

Die Plattform Agenda 2030 vereint rund 50 Vereine, Verbände, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. Ihre Forderungen will die Zivilgesellschaft auch in einer Stellungnahme zum Schweizer Länderbericht in New York einbringen. Gemäss Mitteilung müsse die Schweiz als eines der reichsten Länder der Welt ihre Verantwortung wahrnehmen und stärker in einen nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen Wandel investieren.