Psychische Gesundheit von Jugendlichen: Kinder- und Jugendkommission formuliert Empfehlungen

Psychische Gesundheit von Jugendlichen: Kinder- und Jugendkommission formuliert Empfehlungen

Ein besseres Versorgungsangebot und strukturelle Massnahmen, die bei den Lebensbedingungen und bei der Diskriminierung ansetzen, gehören zu aktuellen Empfehlungen der Eidgenössischen Kinder- und Jugendkommission für die Stärkung der psychischen Gesundheit von Jugendlichen.

Zwischen 13 und 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz sind von einer nachgewiesenen psychischen Störung betroffen und bei den Jugendlichen weist jede vierte Person Symptome psychischer Probleme auf, so die Eidgenössische Kinder- und Jugendkommission in einer Medienmitteilung.

Psychische Probleme seien aktuell die häufigste gesundheitliche Herausforderung bei Kindern und Jugendlichen. Bei dieser Altersgruppe liegen die Prävalenzen psychischer Störungen gemäss Statistiken zwischen 13 und 20 Prozent, so die Studie.

Zudem weist rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen jährlich demnach leichte psychische Probleme auf ohne unter einer psychischen Störung zu leiden, bei der alle Diagnosekriterien erfüllt sind. Die Covid-19-Pandemie und ihre Auswirkungen sowie die geopolitischen Spannungen und die Ungewissheit rund um den Klimawandel führten diesbezüglich zu zusätzlichen Schwierigkeiten, so die Studie weiter.

Die besondere Anfälligkeit von Kindern und Jugendlichen für psychische Probleme sei teilweise auf neurobiologische Veränderungen im Rahmen ihrer Entwicklung zurückzuführen. Allerdings sei das konkrete Risiko der Entstehung und Entwicklung psychischer Gesundheitsprobleme nicht für alle gleich; ausschlaggebend seien insbesondere soziale und umweltbedingte Faktoren.

Ähnliche Faktoren beeinflussten auch, ob und wie sich Betroffene Hilfe suchten, wobei auch hier deutliche Ungleichheiten bestünde. Die hohe Prävalenz und die Tatsache, dass psychische Probleme, die sich in der Kindheit und Jugend entwickeln, ein Leben lang erhebliche Auswirkungen haben können, machen die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu einer grossen gesundheitspolitischen Herausforderung, so die Studie. Möglichst frühes Handeln sei zentral, um das Auftreten psychischer Störungen zu verhindern beziehungsweise eine angemessene Behandlung zu gewährleisten.

Besonders betroffen sind demnach junge Frauen sowie Menschen mit Diskriminierungserfahrung. Psychische Erkrankungen können sowohl schulische Auswirkungen haben als auch die Berufsaussichten und die sozialen Bindungen belasten, heisst es.

Die besondere Anfälligkeit von Kindern und Jugendlichen sei auf ihren kritischen Entwicklungsstand zurückzuführen, wobei der soziale, gesundheitliche, umweltbedingte und geopolitische Kontext verstärkend wirken könnten.

Die Forschung beleuchte insbesondere den Einfluss von Armutssituationen, Arbeitsbedingungen und Bildungsstand auf die psychische Gesundheit, aber auch von traumatischen Erfahrungen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt, Mobbing, sozialer Ausgrenzung oder Diskriminierung.

Hinzu komme der Stress in Zeiten von Mehrfachkrisen und der von Kindern und Jugendlichen wahrgenommene schulische und allgemeine Leistungsdruck.

Vorrangig sei ein besserer Zugang zu einer angemessenen, niederschwelligen Versorgung ab dem Auftreten der ersten Symptome, so die Mitteilung weiter. Zudem brauche es ein Monitoring für aussagekräftige Daten sowie Massnahmen zur Prävention und Förderung der psychischen Gesundheit ab der frühen Kindheit und zur Verringerung der Stigmatisierung.

Trotz der hohen und tendenziell eher zunehmenden Häufigkeit und Persistenz psychischer Probleme bei jungen Menschen, erhält nur eine Minderheit der Betroffenen Unterstützung, so die Studie. Diese Diskrepanz zwischen der Häufigkeit psychischer Probleme und dem Anteil an betroffenen Personen, die dafür eine Behandlung erhalten, wird demnach als Versorgungslücke bezeichnet .

Diese Unterversorgung sei gut belegt und finde sich sowohl weltweit als auch in der Schweiz. Sie sei zwar auch für das Erwachsenenalter vorhanden, aber für junge Menschen besonders stark ausgeprägt. So gebe es gemäss aktuellen Schätzungen aufgrund der hohen Prävalenzen psychischer Probleme bei jungen Menschen in der Schweiz rund 375’000 Personen, die trotz psychischer Probleme keine Hilfe in Anspruch nähmen.

Dies sei umso erstaunlicher angesichts der Tatsache, dass in dieser Altersgruppe die Erfolgschancen präventiver Interventionen besonders hoch seien und mittlerweile eine Vielzahl von Interventionen mit Wirksamkeitsnachweisen für die meisten psychischen Probleme für junge Menschen verfügbar sei.

Dazu komme, dass die Versorgungslücke oft nur am Bedarf von Personen orientiert sei, die das Vollbild einer psychischen Störung bereits erfüllten. Damit bleibe aber unbeachtet, dass es auch Personen gebe, die sich für subklinische Auffälligkeiten Unterstützung wünschten und bereits darunter litten. Mit der Ausrichtung am Bedarf dieser Personen könnte auch der weitere Verlauf positiv beeinflusst werden, so die Studie.

Die EKKJ empfiehlt, bei den Lebensumständen anzusetzen und dazu die sozialen Bindungen und die Gruppenzugehörigkeit zu stärken und Mobbing und Diskriminierung vorzubeugen. Sie empfiehlt ausserdem, Stressfaktoren und Leistungsdruck zu verringern und Kinder und Jugendliche mit angstauslösenden äusseren Ereignissen nicht alleine zu lassen.

Die EKKJ empfiehlt weiter, junge Menschen aktiv in die Gestaltung, Implementierung und Evaluierung des Angebots einzubeziehen, um sicherzustellen, dass ihre Lebensformen und tatsächlichen Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Die Förderung der psychischen Gesundheit könne dabei in allen Phasen der Entwicklung psychischer Probleme eingesetzt werden, also sowohl bei gesunden als auch bei schwer durch psychische Probleme belasteten Personen. Trotz konzeptioneller Überlappung mit der primären Prävention zielten Interventionen zur Förderung der psychischen Gesundheit nicht primär auf die Reduktion von Risikofaktoren oder von psychischen Problemen ab. Vielmehr versuchten sie, das Wohlbefinden zu stärken, die Fähigkeit zu fördern, wichtige entwicklungsbezogene Ziele zu erreichen, und Kompetenzen aufzubauen, um Stress und ungünstige Lebensereignisse möglichst gut bewältigen zu können.