Gaming-Plattformen, soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Recherchen für die Schule gehören zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Damit verbunden seien Risiken, die Erwachsene nicht immer wahrnähmen, schreibt Kinderschutz Schweiz. Die Organisation lanciert deshalb die dritte und letzte Phase der Kampagne «Gemeinsam gegen Cybersexualdelikte an Kindern und Jugendlichen».
Cybersexualdelikte sind sexuelle Übergriffe und Ausbeutung, die über digitale Dienste angebahnt oder ausgeübt werden. Die Melde- und Beratungsstelle clickandstop.ch erhielt nach Angaben von Kinderschutz Schweiz seit ihrer Lancierung 2022 mehr als 10’000 Meldungen von Internetadressen mit pädokriminellen Inhalten. Die Stelle wird von Kinderschutz Schweiz, der Guido Fluri Stiftung und dem Bundesamt für Polizei geführt.
Die Organisation verweist zudem auf die JAMES-Studie 2024: Mehr als jede vierte jugendliche Person in der Schweiz sei online schon aufgefordert worden, erotische Bilder von sich zu verschicken. Auf einzelnen Plattformen könnten Jugendliche innert weniger Minuten mit zahlreichen sexualisierten Nachrichten konfrontiert werden. Täterinnen und Täter bauten dabei gezielt Vertrauen auf, um Kinder und Jugendliche auszubeuten.
Im Zentrum der neuen Kampagnenphase steht das Thema «Da sein». Erwachsene sollen Kindern und Jugendlichen Sicherheit vermitteln, ohne jeden einzelnen Schritt im Internet überwachen zu müssen. Als konkrete Möglichkeiten nennt die Kampagne zuhören, ehrliches Interesse zeigen, offen über Erlebnisse im Netz sprechen sowie gemeinsame Regeln für die Nutzung digitaler Medien vereinbaren.
Ebenso wichtig sei die Vorbildrolle von Erwachsenen, etwa beim sorgfältigen Umgang mit eigenen Bildern und persönlichen Daten sowie mit jenen von Kindern. Für die diakonische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien unterstreicht dies die Bedeutung verlässlicher Beziehungen: Wer aufmerksam zuhört und ansprechbar bleibt, kann es jungen Menschen erleichtern, belastende Online-Erfahrungen mitzuteilen und früh Hilfe zu erhalten.
Wenn es zu einem Übergriff oder einer Grenzverletzung komme, liege die Verantwortung ausschliesslich bei den Tatpersonen, hält Kinderschutz Schweiz fest. Erwachsene sollten ruhig bleiben, zuhören und rasch Unterstützung organisieren – bei clickandstop.ch oder bei der Polizei.
Kinderschutz Schweiz fordert darüber hinaus gesetzliche Vorgaben für grosse Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen. Im geplanten Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen sollen nach Ansicht der Organisation konkrete Schutzpflichten verankert werden. Die Verantwortung für sichere digitale Räume dürfe nicht allein bei Eltern und Sorgeberechtigten liegen.
