Berufslehre bleibt bevorzugter Bildungsweg

12. Juni 2026

63 Prozent der Jugendlichen ziehen eine Lehre in Betracht. Der Schweizer Lehrstellenmarkt bleibt stabil, auch wenn noch nicht alle Anschlusslösungen feststehen.

Die berufliche Grundbildung bleibt für Jugendliche in der Schweiz der wichtigste Bildungsweg nach der obligatorischen Schulzeit. Das zeigt das aktuelle Nahtstellenbarometer 2026 des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Demnach ziehen 63 Prozent der Jugendlichen eine berufliche Grundbildung in Betracht. Damit bleibt die Berufslehre deutlich vor allgemeinbildenden Wegen wie Maturitäts- oder Fachmittelschulen, für die sich 43 Prozent interessieren. Brückenangebote und Zwischenjahre werden mit 14 beziehungsweise 11 Prozent deutlich seltener genannt.

Insgesamt stehen im Frühjahr 2026 rund 98’000 Jugendliche vor der Ausbildungswahl. Mehr als die Hälfte von ihnen verfügt bereits über eine gesicherte Anschlusslösung: 57 Prozent haben entweder eine Lehrstelle, einen bestätigten Schulplatz oder eine andere verbindliche Zusage für die Zeit nach den Sommerferien. Bei den Jugendlichen mit Interesse an einer Lehrstelle haben 62 Prozent bereits einen Lehrvertrag unterschrieben, weitere 11 Prozent verfügen über eine mündliche Zusage. Insgesamt hätten damit 73 Prozent der Lehrstelleninteressierten bereits eine Zusicherung erhalten, heisst es in der Mitteilung.

Auch auf Seiten der Unternehmen zeigt sich die Lage stabil. Hochgerechnet bieten Schweizer Betriebe rund 74’000 Lehrstellen an. Davon führen 91 Prozent zu einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ), weitere 8 Prozent zu einem Eidgenössischen Berufsattest (EBA). Rund 72 Prozent der Ausbildungsbetriebe bieten gleich viele Lehrstellen an wie im Vorjahr, während jeweils 10 Prozent ihr Angebot ausgebaut oder reduziert haben. Bereits 68 Prozent der angebotenen Lehrstellen waren im März und April besetzt. Besonders stark nachgefragt sind Lehrstellen im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Erhebung liegt auf der Wahrnehmung der beruflichen Grundbildung. Die Mehrheit der Jugendlichen bewertet diese positiv. So stimmen 69 Prozent der Aussage zu, dass Lernende besonders gut praktische Probleme lösen können. 68 Prozent betrachten die Lehre als Ausbildung mit Zukunft, ebenso viele schätzen die Verbindung von schulischer Bildung und praktischer Arbeit. Gleichzeitig sehen viele Jugendliche die frühe Berufsentscheidung als Herausforderung: 65 Prozent finden, man müsse sich sehr früh für einen Beruf festlegen, was später einschränkend sein könne.

Aus Sicht der Lehrbetriebe sind beim Einstieg in die Lehre vor allem persönliche Eigenschaften gefragt. Am häufigsten nennen Unternehmen Motivation (74 Prozent), Lernwillen (62 Prozent), Selbstständigkeit (30 Prozent) und Neugierde (28 Prozent). Bei den Sozialkompetenzen stehen gute Umgangsformen und ein angenehmes Auftreten an erster Stelle, gefolgt von Hilfsbereitschaft, Teamfähigkeit und der Fähigkeit, mit Feedback umzugehen. Gleichzeitig sehen viele Unternehmen Entwicklungsbedarf bei Selbstständigkeit, Selbstorganisation und Konzentrationsfähigkeit.

Die Ergebnisse unterstreichen nach Einschätzung des SBFI die hohe Akzeptanz und Durchlässigkeit der beruflichen Grundbildung. Besonders gefragt bleiben kaufmännische Ausbildungen sowie Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Berufsbildung weiterhin eine zentrale Rolle für die Fachkräftesicherung in der Schweiz spielt.