Anlässlich der Grossdemonstration «Wir haben es satt!» am 17. Januar 2026 und der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin hat die deutsche Organisation Brot für die Welt ihre Forderung nach mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft bekräftigt. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis von rund 50 Organisationen ruft sie dazu auf, strukturelle Benachteiligungen von Frauen konsequent zu überwinden, um den weltweiten Hunger wirksam zu bekämpfen. Im Mittelpunkt steht dabei das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft, das den Blick auf ihre oftmals unsichtbare, aber zentrale Rolle in der Nahrungsmittelproduktion lenkt.
Frauen leisten in vielen Ländern des Globalen Südens einen grossen Teil der landwirtschaftlichen Arbeit, vom Anbau über die Ernte bis zur Verarbeitung von Lebensmitteln, und tragen zugleich die Hauptverantwortung für die Versorgung ihrer Familien. Dennoch haben sie gemäss Mitteilung häufig keinen eigenen Zugang zu Land, Krediten oder Saatgut und sind bei agrarpolitischen Entscheidungen unterrepräsentiert. Zusätzlich schultern sie den Grossteil der unbezahlten Sorgearbeit, was ihre Handlungsspielräume weiter einschränkt.
Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, macht deutlich, dass diese Ungleichheiten nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Wirksamkeit von Hungerbekämpfung seien. «Ohne Geschlechtergerechtigkeit kann der Hunger nicht überwunden werden», sagte Pruin gemäss Mitteilung. Frauen seien «Schlüsselakteurinnen im Einsatz gegen den Hunger sowie für den Erhalt landwirtschaftlicher Flächen». Deutschland habe im Rahmen des Welternährungsausschusses freiwillige Leitlinien zur Gleichstellung der Geschlechter mitverhandelt und verabschiedet. Nun stehe die Bundesregierung in der Pflicht, diese Beschlüsse auch umzusetzen.
Konkret gehe es darum, Frauen an Entscheidungen über Anbaumethoden, Fruchtfolgen und den Einsatz von Pestiziden zu beteiligen. Diese Forderungen sind eingebettet in eine breitere agrarökologische Perspektive, wie sie auch im kürzlich veröffentlichten Positionspapier «Mit Agrarökologie in die Zukunft» dargelegt wird. Darin wird Agrarökologie als Ansatz beschrieben, der ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Gerechtigkeit, demokratischer Teilhabe und dem Menschenrecht auf angemessene Nahrung verbindet. Brot für die Welt sieht darin einen zentralen Hebel, um Ernährungssysteme widerstandsfähiger zu machen und Abhängigkeiten zu reduzieren.
Die Organisation verweist zudem auf weitere aktuelle Publikationen, darunter das Positionspapier «Welternährung 2030: 11 Schritte für eine Zukunft ohne Hunger» sowie die Analyse «Zukunft gestalten», die anhand internationaler Beispiele zeigen, wie agrarökologische Ansätze in der Praxis zur Stärkung lokaler Gemeinschaften beitragen können. Die Demonstration «Wir haben es satt!» soll diese Anliegen öffentlich sichtbar machen und politischen Druck für eine Neuausrichtung der Agrar- und Ernährungspolitik erzeugen.
