Caritas-Forum in Bern: Nachhaltige Strategien gegen Armut im Fokus

2. Feb. 2026

Am Caritas-Forum in Bern diskutierten 300 Fachpersonen mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider über wachsende Ungleichheit und nachhaltige Wege zur Armutsbekämpfung in der Schweiz.

Am Caritas-Forum in Bern haben rund 300 Fachpersonen aus Politik, Wirtschaft und Sozialbereich über Armut und soziale Ungleichheit in der Schweiz diskutiert. Die Tagung fand im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums von Caritas Schweiz statt und stellte die Frage ins Zentrum, wie es um den sozialen Zusammenhalt im Land steht. Gastrednerin Elisabeth Baume-Schneider betonte, alle Menschen in der Schweiz sollten jederzeit ein würdiges Leben führen können. Dieser Anspruch entspreche jedoch angesichts von über 700’000 armutsbetroffenen Personen nicht der Realität. Aus Sicht der Sozialministerin brauche es im Kampf gegen Armut nachhaltige Lösungen sowie ein gemeinsames, kollektives Engagement. Der Bund arbeite dafür mit Kantonen, Gemeinden und der Zivilgesellschaft zusammen, «unter anderem mit der Caritas», um wirksame Massnahmen zu entwickeln und umzusetzen, so die Meldung. Im Anschluss an ihr Referat stellte sich Baume-Schneider den Fragen aus dem Publikum.

Ein zentrales Thema der Tagung war die wachsende Ungleichheit in der Schweiz. Andreas Lustenberger, Mitglied der Geschäftsleitung von Caritas Schweiz, verwies darauf, dass sich Vermögen zunehmend konzentrierten, während viele Haushalte kaum genug zum Leben hätten. Wachsende soziale Gräben wirkten sich negativ auf das Zusammengehörigkeitsgefühl aus; Armutsbetroffene würden abgewertet, Wohlhabende hingegen erfuhren gesellschaftliche Anerkennung. Lustenberger plädierte dafür, nicht nur über das «Zuwenig», sondern auch über das «Zuviel» zu sprechen, um strukturelle Ungleichheiten zu verringern, so die Mitteilung.

Wie sich Armut konkret auf Familien auswirkt, schilderte Claudia Schwarz Farhat anhand eigener Erfahrungen und leitete damit eine Podiumsdiskussion ein. Diskutiert wurden Strategien zur Armutsbekämpfung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, darunter der Walliser Staatsrat Mathias Reynard, Nationalrätin Patricia von Falkenstein, Marco Salvi von Avenir Suisse sowie Caritas-Direktor Peter Lack. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge aus Forschung und Praxis: Anna Koukal vom Bundesamt für Sozialversicherungen stellte Ergebnisse des ersten nationalen Armutsmonitorings vor, während Fachpersonen aus Lausanne und Bern aufzeigten, welche Lücken die Corona-Pandemie in der Sozialpolitik sichtbar gemacht habe und welche Rolle NGOs als Frühwarnsystem spielen können.