Diakonie Deutschland fordert Suizidpräventionsgesetz

9. Sep. 2025

Zum Welttag der Suizidprävention mahnt die Diakonie Deutschland rasches Handeln des Gesetzgebers an und präsentiert ein praxisnahes Kartenset für Gespräche in Krisen.

Anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. September ruft die Diakonie Deutschland den Deutschen Bundestag dazu auf, ein verbindliches Suizidpräventionsgesetz noch in dieser Legislatur zu verabschieden. Die evangelische Wohlfahrtsorganisation aus Deutschland betont den dringenden Handlungsbedarf und verweist auf die hohe Zahl suizidaler Krisen. Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch wird mit den Worten zitiert: «Am Welttag der Suizidprävention steht für uns in diesem Jahr das dringend benötigte Suizidpräventionsgesetz im Mittelpunkt.» Weiter heisst es: «2023 haben über 100.000 Menschen in Deutschland einen Suizidversuch unternommen.10.300 Menschen haben ihr Leben durch einen Suizid beendet. Diese erschütternden Zahlen werden von Gesellschaft und Politik nicht ausreichend wahrgenommen.» Gemäss Mitteilung sei Suizidprävention zu lange ein Randthema gewesen; Bewegung habe erst die Debatte um den assistierten Suizid gebracht. Ein entsprechendes Gesetz sei im Koalitionsvertrag vorgesehen, nun müsse es geschaffen werden. Die Diakonie Deutschland habe gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland Vorschläge vorgelegt.

Besondere Aufmerksamkeit richtet die Diakonie Deutschland auf niedrigschwellige Angebote wie die Telefonseelsorge, die Jugendarbeit oder die Altenpflege. «Täglich engagieren sich Tausende Helferinnen und Helfer in Deutschland, um Leben zu retten. Sie leisten vor Ort und am Telefon, per Chat, E-Mail, Apps oder über Peergroups wichtige und professionelle Hilfe», so Schuch. Mehr als 7’700 ehrenamtliche Beraterinnen und Berater begleiteten Menschen rund um die Uhr, viele Angebote seien aber auf kirchliche Mittel, Spenden oder befristete Projekte angewiesen. «Suizidprävention ist eine Daueraufgabe», unterstreicht Schuch. «Sie braucht einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen und eine sichere Finanzierung, die der staatlichen Schutzpflicht für das menschliche Leben entspricht. Deshalb fordern wir nachdrücklich die gesetzliche Verankerung eines Suizidpräventionsgesetzes noch in dieser Legislaturperiode.»

Zur Unterstützung der Praxis stellt die Diakonie Deutschland ein «Impulskartenset Suizidprävention» vor. Das Set richtet sich an Fach- und freiwillig Engagierte ebenso wie an Angehörige und Führungskräfte und bündelt Gesprächsanregungen, rechtliche Hinweise sowie Team-Impulse. Ziel ist es, Hemmschwellen im Umgang mit suizidalen Gedanken abzubauen, Vertrauen zu fördern und achtsam zu reagieren. Den Angaben zufolge sind die Karten so angelegt, dass zuerst Schmerz anerkannt, anschliessend Ressourcen mobilisiert und der Selbstwert der Betroffenen gestärkt werden kann. In ihrer Gesamtheit bieten die sieben Kartensätze ein «wirkungsvoll[es] Werkzeug», um mit Empathie auf Lebensherausforderungen und Fragen nach (assistiertem) Suizid einzugehen und gleichzeitig die Selbstfürsorge von Praktikerinnen und Praktikern zu stärken. «Im Kern ist alles, was wir als Diakonie tun, Suizidprävention», heisst es in der Darstellung des Materials; die tägliche Arbeit ziele darauf, Menschen in ihrer Würde zu stärken, Lebensbedingungen zu verbessern und verlässlich zu begleiten.

Mit Blick auf die anhaltende Belastung vieler Dienste plädiert die Diakonie Deutschland dafür, Prävention dauerhaft strukturell abzusichern. Ein gesetzlicher Rahmen könne die verlässliche Finanzierung gewährleisten und damit die Arbeit unzähliger Helferinnen und Helfer in Deutschland stabilisieren. Gleichzeitig sollen praktische Instrumente wie das neue Kartenset dazu beitragen, dass Gespräche in Krisen frühzeitig stattfinden und Menschen sich gesehen und ernst genommen fühlen.