Diakonie Österreich warnt vor zunehmender Altersdiskriminierung

3. Okt. 2025

Zum Internationalen Tag der älteren Menschen kritisiert die Diakonie Österreich negative Altersbilder und fordert politische Massnahmen für mehr Selbständigkeit im Alter.

Die Diakonie Österreich mahnt anlässlich des Internationalen Tags der älteren Menschen zu einem Umdenken im Blick auf Alter und Altern. Laut ihrer Pressemitteilung vom 26. September 2025 würden Seniorinnen und Senioren im öffentlichen Diskurs «zunehmend als Problem und nicht zu bewältigender Kostenfaktor» dargestellt. Das sei eine gefährliche Entwicklung, weil negative Altersbilder die Lebensqualität und, wie betont wird, sogar nachweislich die Gesundheit beeinträchtigten. «Wir werden älter und das ist gut so,» wird Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser zitiert. Es brauche eine Sichtbarmachung der Beiträge, die Menschen im höheren Lebensalter für die Gesellschaft leisteten, etwa bei der Kinderbetreuung, im freiwilligen Engagement oder in der Pflege von Angehörigen, heisst es weiter. Abwertende Darstellungen hätten zur Folge, dass sich ältere Menschen aus dem öffentlichen Leben zurückzögen, so die Diakonie. «Abwertende Bilder bergen die Gefahr, dass sich ältere Menschen zurückziehen aus der Gesellschaft,» sagt Moser; dieser Rückzug erhöhe das Risiko für Einsamkeit und verringere körperliche wie geistige Aktivität, was sich wiederum ungünstig auf Gesundheit und Lebenserwartung auswirke.

Statt den demographischen Wandel moralisch zu problematisieren, plädiert die Diakonie Österreich für politische Rahmenbedingungen, die gesundes und selbständiges Leben im Alter begünstigen. «Wir dürfen nicht einfach den alten Menschen den Schwarzen Peter zuschieben», so Moser. Das österreichische Gesundheits- und Pflegesystem weise Lücken auf, welche Prävention und Selbständigkeit erschwerten. Konkret kritisiert die Diakonie, dass die Community Nurses nur punktuell weitergeführt worden seien und gesundheitserhaltende Therapien kaum finanziert würden. «Besonders fatal,» so Moser, «ist es, wenn Menschen zu lange im Krankenhaus leben müssen, weil es keine Pflegeplätze gibt, oder wenn sie nur wegen fehlender mobiler Remobilisation ins Pflegeheim übersiedeln müssen.»

Als Antwort fordert die Diakonie eine rasche, flächendeckende Umsetzung von Unterstützungsangeboten, die Selbständigkeit erhalten und fördern. Dazu gehöre auch eine Anpassung des Pflegegeld-Systems, das derzeit erst greife, wenn bereits Defizite vorlägen. Die Organisation setzt auf «Sozialräume», in denen Unterstützung zwischen Familie und Institution organisiert werde. Genannt werden Wohnformen mit Sozialraumkoordination sowie niederschwellige Alltags-Angebote, darunter das Projekt «Allfred» des Diakoniewerks, und die Stärkung freiwilligen Engagements, etwa bei «Plaudertischerln» oder Besuchsdiensten. Insgesamt drängt die Diakonie Österreich darauf, ältere Menschen in möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen aktiv einzubinden – ausdrücklich auch dann, wenn altersbedingte Einschränkungen das Leben behindern. Die Botschaft zum 1. Oktober lautet somit: Altersdiskriminierung abbauen, Ressourcen anerkennen und durch verlässliche Strukturen vorbeugend handeln.