Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz gehört weiterhin zur mittleren Einkommensgruppe. Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilt, zählten 2023 insgesamt 55,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung zur sogenannten «Einkommensmitte». Trotz dieser über Jahrzehnte stabilen Entwicklung zeigen neue Daten jedoch deutliche Unterschiede innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe – insbesondere bei den Wohnkosten und der finanziellen Belastbarkeit.
Gemäss Mitteilung blieb der Anteil der mittleren Einkommensgruppe zwischen 1998 und 2023 insgesamt weitgehend konstant. Den höchsten Anteil verzeichnete die Schweiz 2009 mit 61,3 Prozent, den niedrigsten 2018 mit 54,4 Prozent. Eine grundlegende Verschiebung sei über den gesamten Zeitraum hinweg jedoch nicht festzustellen, so das BFS.
Zur Einkommensmitte zählen laut Definition des BFS etwa alleinlebende Personen mit einem monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 4228 und 9061 Franken oder Familien mit zwei Kindern unter 14 Jahren mit einem Bruttohaushaltseinkommen zwischen 8880 und 19 028 Franken pro Monat. Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet das BFS zusätzlich zwischen einer unteren und einer oberen Mitte.
Besonders deutlich zeigen sich Unterschiede bei den Wohnkosten. Zwar sei die Wohnsituation der Einkommensmitte insgesamt vergleichsweise gut, dennoch gerieten insbesondere Haushalte der unteren Mitte zunehmend unter Druck. Im Jahr 2024 waren laut BFS 10,5 Prozent der unteren Mitte mit Wohnkosten konfrontiert, die mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens ausmachten. In der oberen Mitte traf dies lediglich auf 3,5 Prozent zu.
Auch bei unerwarteten Ausgaben offenbaren sich Unterschiede. So lebte 2024 jede vierte Person der unteren Mitte in einem Haushalt, der nicht in der Lage war, kurzfristig 2500 Franken aufzubringen. In der oberen Mitte lag dieser Anteil bei 10,9 Prozent. Gleichzeitig bezeichneten 14,1 Prozent der unteren Mitte die finanzielle Situation bis zum Monatsende als schwierig oder sehr schwierig.
Die Zahlen zeigen zudem Einschränkungen im Alltag. 11,1 Prozent der unteren Mitte konnten aus finanziellen Gründen keine Ferien machen. In der oberen Mitte betraf dies 3,1 Prozent der Menschen. Entsprechend unterschiedlich fiel auch die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Lage aus: Während sich 10,6 Prozent der unteren Mitte eher unzufrieden zeigten, waren es in der oberen Mitte 3,7 Prozent.
Weniger stark unterschieden sich die beiden Gruppen dagegen bei Zahlungsrückständen. 8,7 Prozent der unteren Mitte lebten in Haushalten mit mindestens zwei Arten von offenen Rechnungen oder Zahlungsverpflichtungen. In der oberen Mitte lag dieser Anteil bei 6,7 Prozent. Zu den Rückständen zählen laut BFS unter anderem Steuern, Krankenkassenprämien, Mieten, Energiekosten oder Kreditrückzahlungen.
Die neuen Zahlen aus der Haushaltsbudgeterhebung 2023 sowie der Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen 2024 machen deutlich, dass finanzielle Unsicherheit inzwischen bis weit in die gesellschaftliche Mitte hineinreicht – auch wenn die mittlere Einkommensgruppe insgesamt stabil geblieben ist.
