Pädokriminalität im Netz: Kinderschutz Schweiz lanciert zweite Kampagnenphase

27. Aug. 2025

Kinderschutz Schweiz warnt vor rasant zunehmender Online-Belästigung und fordert stärkere Prävention sowie einen klareren Rechtsrahmen.

Kinder und Jugendliche in der Schweiz geraten online in Sekunden ins Visier pädokrimineller Tatpersonen. «Es braucht oft nur 90 Sekunden», heisst es in der neuen Kampagne von Kinderschutz Schweiz, die das Ausmass und die Dynamik digitaler Übergriffe ins Zentrum rückt. Mit Sprechblasen aus Chats zeigt der Kampagnenfilm, wie schnell Minderjährige in Spielen oder sozialen Netzwerken bedrängt, manipuliert und ausgebeutet werden. Die Organisation spricht von alarmierenden Zahlen: «Mehr als jede:r vierte Jugendliche in der Schweiz wird aufgefordert, erotische Bilder von sich zu verschicken (JAMES-Studie, 2024).» Auf manchen Plattformen genügen wenige Minuten, bis Jugendliche mit bis zu 30 sexualisierten Nachrichten konfrontiert sind – meist von Erwachsenen mit pädokriminellen Absichten, so die Mitteilung.

Die zweite Kampagnenphase «Gemeinsam gegen Cybersexualdelikte an Kindern und Jugendlichen» setzt auf möglichst breite Allianzen. Kinderschutz Schweiz arbeitet nach eigenen Angaben mit der nationalen Plattform «Jugend und Medien» des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV), der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP), kantonalen und städtischen Polizeikorps, dem Bundesamt für Polizei (fedpol) sowie dem Netzwerk NEDIK zusammen. Unterstützung kommt zudem von Unternehmen und Stiftungen – darunter Sunrise, Swisscom, APG|SGA, Goldbach Neo, Livesystems, ZipScreen GmbH, die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW und die Guido Fluri Stiftung. Ziel ist es, Eltern, Lehrpersonen sowie weitere Bezugspersonen zu sensibilisieren und ihnen konkrete Schutzstrategien zu vermitteln, heisst es.

«Kein Kind kann sich allein schützen» – mit dieser Kernbotschaft verbindet die Kampagne praktische Prävention im Alltag: offene Gespräche, altersgerechte Aufklärung, klare Regeln im Umgang mit digitalen Medien und der sensible Umgang mit Bildern und Daten. Wer Notfallstrategien vermittle und selbst Vorbild sei, stärke die digitale Sicherheit von Kindern. Passiere dennoch etwas, dürfe die Verantwortung nicht den Kindern zugeschoben werden, sondern liege «allein bei den Tatpersonen». Für Unterstützung verweist Kinderschutz Schweiz auf die Melde- und Beratungsstelle clickandstop.ch sowie auf die Polizei.

Neben Prävention richtet die Organisation einen deutlichen Appell an die Politik: Die Schweiz dürfe den Anschluss an europaweite Entwicklungen nicht verpassen. Laut Mitteilung drängt Kinderschutz Schweiz auf rechtliche Rahmenbedingungen, die Kinder besser schützen und die Kontaktaufnahme zu sexuellen Zwecken erschweren. In der Europäischen Union werde bereits an gemeinsamen Lösungen gearbeitet; über das europäische Netzwerk der Kindesschutzorganisationen (ECLAG) sei Kinderschutz Schweiz in diesen Gesetzgebungsprozess eingebunden. Auch führende Technologiefirmen wie Apple, Microsoft und Google trieben entsprechende Vorhaben mit voran. Der digitale Kindesschutz brauche insgesamt einen «stärkeren rechtlichen Rahmen».

Die Botschaft fasst die Organisation mit einem Satz zusammen: «Nur gemeinsam können wir Kinder im digitalen Raum wirksam schützen.» Damit verbindet Kinderschutz Schweiz die Verantwortung von Staat, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und jeder einzelnen Bezugsperson. Die Kampagne ruft dazu auf, hinzuschauen, zu handeln und Vorfälle konsequent zu melden – damit sich aus einem harmlosen Klick nicht ein gefährliches Spiel mit fatalem Ausgang entwickelt.