Reformierte Kirche Waadt schafft unabhängige Stiftung gegen Missbrauch

10. Feb. 2026

Die reformierte Kirche im Kanton Waadt gründet eine unabhängige Stiftung zur Prävention und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im kirchlichen Kontext.

Die reformierte Kirche im Kanton Waadt baut ihr Engagement im Kampf gegen Missbrauch aus und hat die Gründung einer unabhängigen Stiftung beschlossen. Wie am Synode der reformierten Kirche Waadt Ende Januar bekannt wurde, nimmt die neue «Fondation pour la prévention, la protection et la lutte contre les abus» (FPPLA) voraussichtlich im Februar ihre Arbeit auf. Die Stiftung ist institutionell autonom und soll künftig Meldungen zu Übergriffen auf die körperliche, psychische, sexuelle und spirituelle Integrität entgegennehmen und bearbeiten, die im Umfeld der reformierten Kirche Waadt geschehen sind.

Gemäss Mitteilung wurde die Stiftung mit eigenen Statuten und einem Reglement ausgestattet und erfüllt die Vorgaben des Kantons. «Wir haben Statuten und ein Reglement ausgearbeitet und die Bestätigung erhalten, dass wir den Erwartungen des Staates entsprechen», erklärte Philippe Leuba, Präsident des Synodalrats der reformierten Kirche Waadt, zu Beginn der Synodaltagung. Die neue Struktur richtet sich nicht nur an die reformierte Kirche im Kanton Waadt, sondern steht grundsätzlich auch anderen christlichen Kirchen offen.

Inhaltlich verfolgt die Stiftung einen doppelten Auftrag. Einerseits bietet sie Betroffenen von Missbrauch im kirchlichen Kontext eine unabhängige Anlaufstelle für Gehör, Information und Unterstützung. Andererseits ist sie befugt, gemeldete Fälle zu prüfen und aufzuarbeiten. Entsprechend ist die Stiftung in zwei Bereiche gegliedert: Eine erste Stelle ist für die Entgegennahme von Berichten und Meldungen sowie für Beratung und Weitervermittlung zuständig, eine zweite für die Abklärung der Sachverhalte, die Feststellung der Fakten und die Ausarbeitung von Empfehlungen.

Die Stiftung kann sowohl von betroffenen Personen als auch vom Synodalrat angerufen werden. Nach Eingang einer Meldung prüft der Stiftungsrat zunächst, ob er für den jeweiligen Fall zuständig ist. «Bei Verdacht auf eine strafbare Handlung wendet sich die Stiftung an die Staatsanwaltschaft», erläuterte Stiftungsratspräsident Jean-François Meylan. In allen übrigen Fällen wird entweder die Beratungs- oder die Abklärungsstelle aktiv. Die bearbeitende Stelle erstellt anschliessend einen Bericht zuhanden des Stiftungsrats, der darauf basierend Empfehlungen an den Synodalrat formuliert. Diese betreffen sowohl Unterstützungs- und Schutzmassnahmen für die betroffene Person als auch mögliche Sanktionen gegenüber der beschuldigten Person.

Die Gründung der FPPLA ist Teil eines längerfristigen Prozesses. Die reformierte Kirche Waadt beschäftige sich seit mehreren Jahren systematisch mit der Prävention von Grenzverletzungen, unter anderem mit einem Präventions- und Schutzkonzept, das 2021 eingeführt worden sei, so die Meldung. Die neue Stiftung ist zudem in der Leistungsvereinbarung 2025–2029 zwischen der reformierten Kirche Waadt und dem Kanton Waadt verankert. Laut Philippe Leuba ist vorgesehen, dass sich künftig auch andere Kirchen an die Stiftung anschliessen können, «die nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um eine vergleichbare Institution aufzubauen».