Die Zahl der Erwerbstätigen in der Schweiz ist in den vergangenen fünf Jahren weiter gestiegen. Gleichzeitig blieb der Arbeitsmarkt insgesamt robust, auch wenn sich die Erwerbslosigkeit leicht erhöhte und die Zahl der offenen Stellen zuletzt wieder etwas zurückging. Zu diesem Schluss kommt das Bundesamt für Statistik (BFS) in seiner neuen Publikation zu den Arbeitsmarktindikatoren 2026.
Zwischen dem vierten Quartal 2020 und dem vierten Quartal 2025 nahm die Zahl der Erwerbstätigen gemäss Erwerbstätigenstatistik um 5,3 Prozent auf 5,4 Millionen Personen zu. Die Beschäftigungsstatistik, welche die Betriebe erfasst, weist im gleichen Zeitraum sogar ein Wachstum von 7,5 Prozent aus. Gleichzeitig stieg die Erwerbslosenquote gemäss den Definitionen der International Labour Organization (ILO) leicht von 4,9 auf 5,0 Prozent. Demgegenüber sank die beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) registrierte Arbeitslosenquote von 3,4 auf 3,0 Prozent. Das BFS erklärt diese Differenz damit, dass die ILO-Definition auch Stellensuchende umfasst, die nicht bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum registriert sind.
Während die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zu 2020 insgesamt um 29 Prozent höher lag, entwickelte sie sich nach dem Höchststand Ende 2022 rückläufig. Ende 2025 wurden noch rund 86 000 offene Stellen gezählt. Gleichzeitig berichteten 36,2 Prozent der Betriebe von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte. Damit habe sich die Situation gegenüber den Pandemiejahren zwar etwas entspannt, der Fachkräftemangel bleibe aber deutlich spürbar.
Positiv entwickelte sich gemäss Mitteilung die Lohnentwicklung. Dank einer geringen Inflation von 0,2 Prozent und einem Anstieg der Nominallöhne um 1,8 Prozent erhöhten sich die Reallöhne 2025 um 1,6 Prozent. Damit sei die Kaufkraft der Löhne bereits das zweite Jahr in Folge gestiegen. Besonders deutlich fiel der Lohnanstieg bei den Frauen aus. Dennoch verdienten Frauen 2024 im Median weiterhin 8,4 Prozent weniger als Männer. Das BFS verweist darauf, dass sich dieser Unterschied zwar langfristig verringert habe, aber weiterhin bestehe.
Auch strukturelle Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt bleiben sichtbar. Frauen arbeiten deutlich häufiger Teilzeit als Männer. Im vierten Quartal 2025 waren 58,4 Prozent der erwerbstätigen Frauen teilzeitbeschäftigt, gegenüber 21,2 Prozent der Männer. Gleichzeitig verringerte sich die Erwerbslosenquote der Frauen im Fünfjahresvergleich leicht, während sie bei den Männern geringfügig zunahm.
Der Bericht zeigt zudem, dass die ausländischen Arbeitskräfte weiterhin einen wesentlichen Beitrag zum Schweizer Arbeitsmarkt leisten. Zwischen Ende 2020 und Ende 2025 stieg die Zahl der ausländischen Erwerbspersonen um 15 Prozent, während jene der Schweizer Erwerbspersonen nahezu unverändert blieb. Ende 2025 verfügten 35,8 Prozent der Erwerbsbevölkerung über eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Für das erste Quartal 2026 zeichnet das BFS ein gemischtes Bild. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg gegenüber dem Vorjahresquartal leicht um 0,2 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich sowohl die Erwerbslosenquote gemäss ILO auf 5,2 Prozent als auch die beim SECO registrierte Arbeitslosenquote auf 3,1 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen nahm hingegen erneut zu. Mit 98 200 vakanten Stellen wurden fünf Prozent mehr Stellen gezählt als ein Jahr zuvor. Auch wenn die Beschäftigungsaussichten gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgingen, erwarten die meisten Unternehmen gemäss BFS weiterhin einen stabilen oder steigenden Personalbestand.
Im europäischen Vergleich behauptet die Schweiz ihre starke Position. Sie weist eine der höchsten Erwerbsquoten Europas auf und gehört weiterhin zu den Ländern mit einer vergleichsweise tiefen Erwerbslosenquote. Zudem liegen die Löhne – auch unter Berücksichtigung der Kaufkraft – weiterhin über dem Niveau der meisten europäischen Staaten.
