Organisationen sehen Kinderrechte durch Initiative gefährdet

6. Mai 2026

Kinder- und Jugendorganisationen warnen vor Folgen der 10-Millionen-Initiative für Kinderrechte, Familiennachzug und die UN-Kinderrechtskonvention.

Am 14. Juni 2026 stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» ab. Eine Allianz von Kinder- und Jugendorganisationen sowie weiteren Nichtregierungsorganisationen ruft zu einem Nein auf. Gemäss Mitteilung gefährde die Initiative «den Schutz der Rechte aller Kinder und Jugendlichen in der Schweiz» und könne konkrete Folgen im Migrations- und Asylwesen haben.

Die Initiative verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 zehn Millionen Menschen nicht überschreitet. Wird bereits vorher die Schwelle von 9,5 Millionen erreicht, müssten Bundesrat und Parlament verbindliche Massnahmen gegen weiteres Bevölkerungswachstum ergreifen. Die Meldung verweist darauf, dass der Initiativtext ausdrücklich Einschränkungen im Asylbereich, beim Familiennachzug sowie bei Aufenthalts-, Niederlassungs- und Einbürgerungsrechten nennt. Damit seien zentrale Kinderrechte betroffen.

Besonders kritisch bewerten die Organisationen mögliche Auswirkungen auf die UN-Kinderrechtskonvention. Sollte die Bevölkerung die Grenze von zehn Millionen überschreiten, verlangt die Initiative die Neuverhandlung oder Kündigung sogenannter «bevölkerungswachstumstreibender internationaler Übereinkommen». Laut Mitteilung könnten darunter auch Menschenrechtsverträge fallen. Die Annahme der Initiative könnte gemäss Bundesrat zu einer Kündigung der Kinderrechtskonvention führen.

Für Kinder und Jugendliche hätte dies nach Einschätzung der unterzeichnenden Organisationen weitreichende Folgen. Einschränkungen beim Familiennachzug könnten Kinder von ihren Eltern trennen oder sie in unsicheren Verhältnissen zurücklassen. Verschärfungen im Asylbereich könnten das Kindeswohl bei Wegweisungsentscheiden unter Druck setzen. Rund 40 Prozent aller Asylgesuche in der Schweiz stammten von Kindern und Jugendlichen, heisst es in der Meldung.

Die Organisationen warnen deshalb davor, demografische Zielgrössen mit Grund- und Menschenrechten zu verknüpfen. Kinderrechte gälten für jedes Kind, unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus. Sie dürften nicht von statistischen Schwellenwerten abhängig gemacht werden.

Eine Kündigung der Kinderrechtskonvention wäre aus Sicht der Allianz ein schwerwiegender Rückschritt. Die Schweiz würde sich aus einem zentralen internationalen Schutzsystem für Kinder zurückziehen. Auch das Staatenberichtsverfahren und das Individualbeschwerdeverfahren würden wegfallen. Damit ginge eine wichtige unabhängige Kontrolle der Kinderrechtspolitik verloren.

Die Meldung betont zugleich die praktische Bedeutung der Konvention. Sie verpflichte Behörden und Gerichte, das Kindeswohl bei staatlichen Entscheidungen vorrangig zu berücksichtigen, und stärke unter anderem Rechte auf Familie, Schutz vor Diskriminierung, Bildung, Entwicklung und Beteiligung. Die Kinderrechtskonvention sei kein abstraktes Papier, sondern wirke im Alltag.

Unterzeichnet wird der Aufruf unter anderem von Pro Juventute, dem Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ, dem Netzwerk Kinderrechte Schweiz, der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände SAJV, Kinderschutz Schweiz, ARTISET YOUVITA, Avenir Social, SOS-Kinderdorf Schweiz und weiteren Organisationen.