Wenn Infrastruktur fehlt: Benachteiligte Regionen geraten weiter ins Hintertreffen

22. Dez. 2025

Ein neuer Bericht von Eurodiaconia zeigt: In vielen Regionen Europas fehlen essenzielle Dienstleistungen – besonders in ländlichen und benachteiligten Gebieten.

Der gesamteuropäische Diakonie-Dachverband Eurodiaconia stellt fest: Trotz grundsätzlich hoher Versorgungsstandards bestehen in der Europäischen Union weiterhin erhebliche territoriale Unterschiede beim Zugang zu essenziellen Dienstleistungen. Dies geht aus dem im Dezember 2025 veröffentlichten Bericht Availability of Essential Services: Bridging Territorial Gaps hervor. Der Bericht beleuchtet die aktuelle Lage, ordnet sie mit Erfahrungen aus der diakonischen Praxis ein und formuliert politische Empfehlungen, um bestehende Versorgungslücken zu schliessen.

Als essenzielle Dienstleistungen gelten gemäss Europäischer Säule sozialer Rechte unter anderem Wasser- und Sanitärversorgung, Energie, öffentlicher Verkehr, digitale Kommunikation sowie Finanzdienstleistungen. „Jeder hat das Recht auf Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen von guter Qualität“, heisst es in Prinzip 20 der Säule, auf die sich der Bericht ausdrücklich bezieht. In der Praxis jedoch entscheidet häufig der Wohnort darüber, ob dieser Anspruch eingelöst werden kann.

Besonders in ländlichen, abgelegenen oder segregierten Regionen zeigt sich laut Bericht, dass Infrastruktur fehlt oder sich zunehmend zurückzieht. So haben EU-weit rund 1,7 Prozent der Bevölkerung weder Bad noch Dusche in der eigenen Wohnung, bei armutsgefährdeten Menschen liegt dieser Anteil deutlich höher. Auch beim Zugang zu Sanitäranlagen, sauberem Trinkwasser oder zu Bankfilialen bestehen weiterhin Defizite. Ähnlich problematisch ist die Situation im Bereich Mobilität: In vielen Regionen benötigen einkommensarme Haushalte deutlich längere Fahrzeiten, um Schulen oder Gesundheitsangebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Energieversorgung im Zuge der ökologischen Transformation. Zwar sei Energie grundsätzlich verfügbar, doch mangele es insbesondere für vulnerable Haushalte an bezahlbaren und nachhaltigen Alternativen. Die Einführung neuer klimapolitischer Instrumente wie des Emissionshandels für Gebäude könne soziale Ungleichheiten weiter verschärfen, wenn flankierende Massnahmen ausbleiben, so die Analyse. Auch soziale Dienstleister selbst geraten unter Druck, da energetische Sanierungen oft kaum finanzierbar seien.

Eurodiaconia betont zudem die Schlüsselrolle sozialer Dienste. Diese wirkten häufig als „Ermöglicher“, indem sie Menschen beim Zugang zu anderen Leistungen unterstützen – etwa durch Beratung, Begleitung oder praktische Hilfen. Gleichzeitig seien gerade diese Dienste von Personalmangel, unsicherer Finanzierung und regionalen Ungleichheiten betroffen, so die Mitteilung.

Der Bericht ruft die EU und ihre Mitgliedstaaten dazu auf, stärker in Infrastruktur und soziale Dienste zu investieren, Daten besser zu erheben und gezielte Förderinstrumente für benachteiligte Regionen einzusetzen. Ohne ein koordiniertes Vorgehen drohten sich territoriale Ungleichheiten weiter zu verfestigen – mit direkten Folgen für soziale Teilhabe und Lebensqualität in Europa.