Online-Tagung

Grenzen der Armutsüberwindung durch Bildung

Bildung zwischen Versprechen, Voraussetzungen und strukturellen Hürden

 

Mittwoch, 9. September 2026 | 08:30 – 12:00 Uhr |
via Zoom

 

Die Teilnahme ist kostenlos

 

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Bildung gilt seit langem als zentrale Ressource zur Überwindung von Armut und sozialer Prekarität. In sozialpolitischen, sozialarbeiterischen und kirchlichen Diskursen wird sie häufig als Schlüssel verstanden, der Menschen den Zugang zu Arbeit, gesellschaftlicher Teilhabe und einem selbstbestimmten Leben eröffnet.

Diese Perspektive prägt nicht nur staatliche Strategien, sondern auch das diakonische Selbstverständnis vieler kirchlicher Akteurinnen und Akteure.

Neuere Analysen und Erfahrungen aus Forschung und Praxis machen jedoch deutlich, dass diese Vorstellung zu kurz greift. Sie zeigen, dass Bildung selbst in hohem Masse voraussetzungsreich ist und dass gerade armutsbetroffene Menschen mit vielfältigen Zugangshürden konfrontiert sind – finanzieller, institutioneller, sozialer und kultureller Art.

Bildungswege erweisen sich damit nicht selten als selektiv und ausschliessend, statt bestehende Ungleichheiten wirksam abzubauen.

Wer unter prekären Bedingungen lebt, verfügt oft weder über die zeitlichen noch über die materiellen Ressourcen, um Bildungsangebote überhaupt wahrnehmen zu können.

Vor diesem Hintergrund rückt die Frage nach den Grenzen der Armutsüberwindung durch Bildung ins Zentrum. Nicht individuelle Bildungsbereitschaft oder Motivation stehen dabei im Fokus, sondern die strukturellen Bedingungen, unter denen Bildung möglich oder verunmöglicht wird.

Zugleich stellt sich die Frage, welche Verantwortung Kirche und Diakonie in diesem Spannungsfeld tragen – sowohl anwaltschaftlich im öffentlichen Diskurs als auch im Blick auf die eigenen Bildungsangebote, Anstellungspraktiken und institutionellen Logiken.

Programm

  • 08.15 – 08.30 Uhr: Einwahl
  • 08.30 – 08.40 Uhr: Ankommen und Begrüssung
  • 08.40 – 09.25 Uhr: Impuls I: Bildung als Versprechen – und ihre Grenzen
    Prof. em. Dr. Regula Leemann, Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz
    Der Impuls beleuchtet die Funktionsweise von Ausschlussund Selektionsmechanismen im Schweizer Bildungssystem. Sie zeigt auf, wie meritokratische Logiken, formale Zugangsvoraussetzungen und institutionelle Erwartungen Bildungswege strukturieren und dabei soziale Ungleichheiten stabilisieren oder verstärken. Der Beitrag lädt dazu ein, Bildung nicht primär als individuelles Leistungsprojekt, sondern als strukturell gerahmtes Feld gesellschaftlicher Teilhabe zu verstehen.
    Impuls und kurze Diskussion
  • 09.35 – 10.20 Uhr: Impuls II: Bildungsgerechtigkeit – sozialethische Perspektiven
    Prof. Dr. Peter Streckeisen, ZHAW Soziale Arbeit
    Der Impuls nimmt die sozialethische Diskussion um Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe auf. Ausgehend von der Einsicht, dass es mit Blick auf Klassenunterschiede, lebensweltliche Milieus sowie politische und kulturelle Identitäten keine neutrale Definition von Bildung gibt, droht Bildungsarbeit unbewusst Abwertungen und Ausschlüsse zu (re)produzieren. Nicht zuletzt stellen sich von da aus auch kritische Fragen an kirchliche Institutionen und diakonisches Handeln selbst – etwa im Blick auf Zugänge, Erwartungen und Vorstellungen gelingender Lebensführung.
    Impuls und kurze Diskussion
  • 10.30 – 11.20 Uhr: Parallele Workshops: Good Practice und kirchliche Verantwortung
    Die Workshops stellen konkrete Praxisprojekte vor, die Bildungsbarrieren bewusst abbauen und neue Zugänge eröffnen. Im Zentrum steht die Frage, wie niederschwellige Lernräume oder gezielte Förderangebote im formalen oder auch im non-formalen Bildungsbereich gestaltet werden können, ohne neue Ausschlüsse zu produzieren. Ziel ist es, Erfolgsfaktoren, Spannungsfelder und Übertragungsmöglichkeiten auf kirchliche und diakonische Kontexte gemeinsam zu reflektieren und Handlungsperspektiven zu entwickeln.
  • 11.20 – 11.50 Uhr: Plenum: Erkenntnisse, Spannungen, offene Fragen, Rückmeldungen aus den Workshops
    Gemeinsame Diskussion: Wo liegen konkrete Handlungsfelder für Diakonie und Kirche?
  • 11.50 – 12.00 Uhr: Abschluss und Ausblick
    Zusammenfassung zentraler Einsichten

Informationsflyer

Ziel und Zielgruppen

Die Veranstaltung lädt dazu ein, Bildung nicht nur als Instrument zur Steigerung von Arbeitsmarktfähigkeit zu betrachten, sondern auch im Sinne des lebenslangen Lernens in ihrem sozialen, ethischen und gesellschaftlichen Wert zu reflektieren. Ziel ist es, Bildungsgerechtigkeit als diakonische Querschnittsaufgabe sichtbar zu machen und Handlungsmöglichkeiten für ein barriereärmeres, inklusiveres kirchliches Bildungshandeln auszuloten.

Die Veranstaltung richtet sich an Mitarbeitende aus Kirche, Diakonie und Sozialwesen, an Verantwortliche für Bildung und Personalpolitik in Kirchgemeinden sowie an alle, die sich mit Fragen von Armut, Bildung und sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzen.

Auskunft

Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS
Diakonie Schweiz
Sulgenauweg 26, CH-3001 Bern
Telefon +41 (0)31 370 25 32
simon.hofstetter@diakonie.ch
www.diakonie.ch

Anmeldung

Anmeldefrist: 15. August 2026.

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